Das Anfangswertproblem
Der für Donnerstag vorhergesagte kräftige Schneefall hatte vor
allem für den Norden und die Mitte der Republik eine "Verspätung
" von etwa 4 bis 6 Stunden. Daher trat die etwas kuriose
Situation ein, dass beim Wetterdienst viele Anfragen kamen, wo
denn der Schneefall bleibe. Auch so manche Schule wird sich
anfangs gefragt haben, wieso sie den Unterricht vorsichtshalber
abgesagt hat. Es stellt sich nun die (durchaus berechtigte)
Frage, warum der zeitliche Ablauf doch etwas später war, als
ursprünglich vorhergesagt.
Wie bekannt sein dürfte, beruht die Wettervorhersage heutzutage
größtenteils auf den Berechnungen von Wettermodellen auf
Großcomputern. Ein höchst interessanter Aspekt dieser
Modellrechnungen sind die Anfangswerte der Wetterparameter, die
für den Beginn der Modellrechnungen benötigt werden.
[...]
Als Anfangswerte haben wir aber nur
die etwa 10 000 Stationen zur Verfügung. Wie kommt nun das
Modell auf Werte für die rund 39 Millionen Gitterpunkte? Dies
wird durch eine geschickte Interpolation (sozusagen eine
Zwischenschätzung zwischen den Werten) erreicht. Für diese
Interpolation wird seitens des Modells ein sehr großer Aufwand
betrieben.
Und damit kommen wir zum eigentlichen Kernproblem. Die
Modellrechnung ist größtenteils abhängig von der Qualität der
Anfangsdaten. Schon kleinste Abweichungen bei den Anfangsdaten
ergeben am Ende der Modellrechnungen größere Abweichungen bei
der Vorhersage des Wetterablaufes.
Dennoch ist es sehr erstaunlich, welche Leistungen so ein
Wettermodell mit dieser mageren Ausgangsbasis zu erbringen
vermag. Und sind wir mal ehrlich, nachdem wir wissen, mit
welcher Datenbasis so ein Wettermodell klar kommen muss, dann
sind die 4 bis 6 Stunden Verspätung nicht das große Problem.
Jörg Meinhold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale