Im Grunde ist die Frage:"Wer kauft was wo ?" und "Ist das Angebot von diesem oder jenem preiswürdig?" kein Thema, zu dem sich Personen äußern sollten, die beruflich damit zu tun haben.
Bei aller Seriosität bleibt nämlich immer der potentielle Verdacht, daß kaufmännische Interessen eine Aussage prägen und das eben über die Aussage eine gewiße Sicht der Dinge installiert werden soll.
Wenn aber dieses Thema dann schon besprochen wird, dann muß/sollte man zunächst eine völlig wertfreie Analyse machen, zu der die folgenden Überlegungen etwas beitragen können.
--Aus einem Dreieck bekommt man in der Regel immer nur 2 Aspkete.
gut -- schnell -- günstig geht also meistens nie gleichzeitig.
gut/günstig verlangt oft Zeit.
schnell/günstig verhindert oft gut.
usw.
--Die 'Engländer' werden oft als Sündenbock für alles benutzt, was tatsächlich ganz andere zu verantworten haben. Das ist zwar modern und nicht nachprüfbar, es bleibt aber unfair und billig.
Es gibt in England Schlawiner und im deutschen automobilen Ersatzteilgeschäft ganz genauso.
--Die Globalisierung der Märkte ist das Problem und ganz speziell die Verlagerung der Produktion nach Asien (Schwerpunkt Indien, Taiwan, VR China).
Da Preisdruck allerorten und für jeden herrscht, ist ein auf den ersten und vielleicht auch auf den 2. - 7. Blick billigeres Angebot vermeintlich auch günstiger. Und erst die Erfahrung auf lange Frist belegt, ob billig billig war oder günstig und preiswert.
In dieser Zeit aber, wo Produktionen und Aufträge dorthin gegeben werden, trockenen die Herstellerangebote im Mutterland GB aus.
Wer keine Aufträge mehr bekommt, der wendet sich anderen Bereichen zu oder macht dicht.
Und wenn sich dann herausstellt, daß billig leider doch billig und großer Mist war, dann ist es zu spät, da es den guten Hersteller nicht mehr gibt, oder der einfach kein Interesse mehr hat.
--Und hat sich aus o.g. Gründen die Produktion auf wenige konzentriert, dann kann es ganz plötzlich zu monatelangen Engpäßen bei der Lieferung kommen und plötzlich hat niemand mehr etwas.
Im 1. Halbjahr 2008 beispielsweise waren Züge fast jeglicher Art im preiswerteren Nachbau über Monate nicht erhältlich.
Und da das so ist, bleibt dann die Frage nach der richtigen Handlungsstrategie.
Für die Händler:
--Sie müssen heute viel größere Warenläger vorhalten, als das früher der Fall war. 'Just in time' funktionierte noch nie richtig und in keiner Branche wirklich, beim MINI im Jahre 2008 eine pure Illusion.
--Sie müssen ihre Lieferanten und Hersteller nicht permanent mit einem Preisdruck belasten, denn dann ist das billige Produkt, welches meist nicht preiswert ist, eine logische Konsequenz.
--Sie müssen das Rückgrat haben, bei bestimmten Kundenforderungen zu sagen:"Tut mir Leid, den Verkauf von soetwas lehne ich ab."
Und diese Aussage klingt leicht, ist aber eine kaufmännische Überwindung, weil ein Kunde der billig kaufen will, dann in sehr vielen Fällen den billigen Murks trotzdem kauft, nur eben woanders.
Die Käufer:
--Sie haben 2 schwierige Aufgaben !
a)Müssen sie sich gegen den Wunsch billiger zu kaufen hin und wieder zum höherpreisigen Produkt durchringen. Wenn's Portemonaie nicht prall voll ist, oft keine leichte Entscheidung.
b)Müssen einen Anbieter finden, der das labile Gleichgewicht "günstiger Preis -- verläßliche Ware" bestmöglich in der Balance hält.
--Können durch ihre Einsicht in eine auskömmliche Kalkulation sehr viel zum angemesseneren Verhalten der Kaufleute beitragen.
--Müssen sich dessen bewußt sein, daß wenn sie eine aus Preisgründen u.U. attraktive virtuelle Leistung abfordern auch nur eine virtuelle Leistung bekommen.
Und das kann ganz interessant und günstig sein aber auch eine für den/die Betroffene/n kleine Katastrophe.
U n d i n d e r K o n s e q u e n z
Wird heute für Beide, Kaufleute wie Kunden, wieder eines ganz, ganz wichtig, was vermeintliche Cleverlies glaubten außer Acht lassen zu können, Vertrauen ! Kaufleute in Lieferanten und Hersteller und diese in Ihre Kaufleute als Partner und genauso zwischen den Kaufleuten und Kunden und umgedreht. Sehr traditionell aber genauso.
Und es gibt diverse auch gelebte Beispiele für oben gelistete Grundproblematik mit teils teuren Konsequenzen.
Und wenn ein sehr teures Renngetriebe ein Totalabschrieb wird, weil die Vorgelegewelle aus gepreßtem Reis aber nicht hochwertigem Stahl ist, dann ist das schon sehr bitter, denn sehen kann man das nicht, wenn es verbaut wird.
Andreas Hohls