Weser-Kurier 9.Oktober 1999
MINIS made in Germany
Von Thomas Geiger
Der Mini an sich ist ja schon Kult. Denn seit mittlerweile exakt 40 Jahren macht der nur 3,05 Meter lange Brite rund um den Globus vor, was anderen auch in zehn Jahren noch nicht gelingen wird: nämlich eine Karriere als erfolgreicher Kult-Kleinwagen. Doch obwohl schon das Serienmodell der BMW-Tochter Rover längst Gegenstand automobiler Verehrung geworden ist, gibt es eine ganze Reihe von MiniFans, die mit dem Angebot aus dem Königreich nicht zufrieden sind. Vor allem wenn sie sich nach einem Cabrio sehnen, landen sie alle fast zwangsläufig irgendwann in Frankfurt. Denn dort haben sich zwei Karosseriebauer auf jedweden Sonderwunsch rund um den Winzling von der Insel spezialisiert. Nirgendwo sonst in Deutschland werden deshalb so viele Mini-Fans an die frische Luft gesetzt wie hier in der Mainmetropole.
Die längste Tradition hat der offene Mini bei L&H Automobile. Dort wurde dem "Elefantenrollschuh" schon 1984 zum ersten Mal mit Flex und Schweißbrenner zu Leibe gerückt Mittlerweile hat die Firma laut Geschäftsführer Holger Hammel rund 4500 Open-Air-Modelle als vollwertige Cabrios oder als "Airotic" mit einem Rest von Dach und Karosserie ausgeliefert.
Doch nicht nur Frischluft-Fanatiker werden von L&H bedient. Auch die Industrie macht sich die Fähigkeiten der Frankfurter Mini-Experten und die Kapazität ihres Karosseriebau-Betriebs in der Nähe von Stuttgart zu eigen. Für einen Getränkehersteller hat die Firma deshalb aus dem Mini schon Promotion - Pick - Ups mit aufgesetzter Dose gemacht. Für Fluglinien wurde der Winzling auf Übersee - Paletten verpackt und in der unrühmlichen Zeit als der Kleinwagen über eine Supermarktkette verkauft wurde, hat L&H die Ausstattung aufgewertet. Dazu kommen noch eine ganze Reihe von Unikaten wie der FeuerwehrMini vor dem Firmensitz oder der sommerliche Viertürer mit luftigen Jallousien.
Mittlerweile jedoch hat sich der Markt für solche automobilen Exoten deutlich abgekühlt. Wurden früher noch über 100 Cabrios pro Jahr umgebaut und verkauft, finden sich nach Hammels Beobachtungen jetzt jährlich höchstens noch 40 Individualisten, die für den Umbau ihres Minis zwischen 10 000 und 15 000 DM auszugeben bereit sind. Weil immer mehr Automobilhersteller auch kleine und preiswerte Cabrios produzieren und auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt oft schon für wenig Geld viel Offenheit verkauft werde, sei die Luft für die professionellen Aufschneider relativ dünn geworden.
Das merkt auch Jürgen Elsäßer vorn Mitbewerber Minis & Parts in Bergen-Enkheim. Seine Firma hat vor knapp drei Jahren die Patente des Schwarzwälder Karosseriebauers Wilfried Lamm übernommen und seit dem ein gutes Dutzend Minis ihres festen Daches beraubt. Dabei läßt er den Kunden die Wahl, ob sie für rund 12 500 DM ihren eigenen Wagen zur Operation bringen oder für knapp 40 000 DM einen fabrikneuen Mini aufschneiden lassen.
Binnen drei Wochen werden dann zusätzliche Schweller und Bleche in die Bodengruppe geschweißt, das Dach abgenommen, der Verdeckmechanismus montiert, der Stoff aufgezogen und die Karosse neu lackiert. Außerdem gibt es auf Wunsch noch Holz und Leder für den Innenraum, breite Reifen und etwas mächtigere Kotflügel und für den Fall der Fälle auch noch ein paar zusätzliche PS für den Motor.
Den Blick in die Zukunft jedoch machen beide Frankfurter Mini-Experten mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Denn als hartgesottene Fans des automobilen Dinosauriers mit Kultstatus trauern sie natürlich mit, wenn spätestens im Jahr 2001 ein Nachfolger präsentiert und dem originalen Mini damit endgültig der Garaus gemacht wird. Doch als Geschäftsleute lassen sie die Nachrichten aus London und München natürlich strahlen. Schließlich dürfte die Beliebtheit des Originals mit dem Ende der Serienproduktion noch einmal steigen. Und weil Rover in den letzten 40 Jahren über fünf Millionen Minis produziert hat, ist für ausreichend Rohmaterial auf dem Weg zum Open-Air-Modell bestens gesorgt.