Mini mit Elektroantrieb

  • Hi zusammen,
    wäre sicher schlauer gewesen, diesen Thread vor 5 Jahren zu eröffnen, als ich mit meinem Projekt konkret angefangen habe, aber besser jetzt als gar nicht.
    Umbau #1 gibt es schon. Ist zugelassen seit April 2019 mit E-Kennzeichen. Ist ein 84er (10"), hat jetzt 27kW und 660kg, davon 90kg für die Batterie (16kWh). Motor, Getriebe (feste Untersetzung und Differential) und Regler stammen aus einem norwegischen E-Auto namens Th!nk (schreibt sich wirklich so), das ich ausgeschlachtet, und die Teile dann in den Mini reingebaut habe. Das einzig Neue sind die Batterien. Projektlaufzeit incl. Karosse instandsetzen über 4 Jahre.
    Ich bin dieses Jahr ca. 8.000km gefahren und es waren fast alles "Testfahrten", also ständig mit irgendwelchen Fehlern, Wehwehchen, ein paar mal bin ich auch richtig liegen geblieben. Alles irgendwie in den Griff bekommen, ich denke jetzt sind die dicksten Fehler raus und ich kann den Wagen meinen Frauen auch mal geben.


    Und jetzt kommt #2 ins Spiel! Im Grunde genommen das Gleiche nochmal, wobei hier die Karosse schon fertig ist; es fehlt nur noch Vorbereitung und Lackieren. Auch der Umbau ist schon fast fertig, E-Motor und Komponenten (außer Fahrbatterie) sind schon mal drin. Grund ist dass das ein leider aus Zeit- und Prioritätsgründen abgebrochenes Projekt aus meinem Freundeskreis ist, was ich übernehme. Ein paar Sachen werde ich naürlich anders machen als bei #1: man lernt ja schließlich (hoffentlich) dazu.


    Ich werde dann ab und zu ein paar Zeilen schreiben und Fotos reinstellen, um Hilfe und Tips bitten, und hoffentlich für einige Leute interessante Sachen posten, freue mich also auf rege Diskussionen, Anregungen, Kritik und Kommentare; ganz bewusst auch gerne über Sinn (und Unsinn?) einer solchen Aktion, oder über das ganze Umfeld rund um E-Autos: ist zurzeit ganz klar ein Reizthema, es haben viele Leute ihre eigene Meinung dazu, und leider wird auch m.E. eine ganze Menge Blödsinn hierzu berichtet und geschrieben.
    Vorab mal ein Foto mit den beiden Minis, #2 leider ein bisschen versteckt.
    MfG
    Schelle

  • Ja, großartiges Projekt! Wir brauchen Fotos. Wir brauchen Details, bitte.


    Gruß,
    Martin

    rules are for the interpretation of wise men and the obedience of fools

  • Auf dem IMM dieses Jahr stand ein Hamburger Mini mit E im Kennzeichen, auf dem selben Feld wie wir. Er ist leider wegen dem Wetter am nächsten Tag wieder abgehauen, so das ich nicht dazu kam Bilder zumachen und mit ihm zu reden.


    Gruss
    Bernd

  • Hier ein link zum Bericht über den th!nk.


    https://www.youtube.com/watch?v=Db8b2RudWD0


    In einer interessanten Gebrauchtwagenprofi-Sendung wird ein bereits in den 80ern auf Elektro umgebauter Maserati von der Firma EV West
    - https://www.youtube.com/watch?v=Db8b2RudWD0 - zeitgemäß modernisiert.
    Es ist leider kein Mini, aber in dieser Sendung wird die Materie sehr gut erklärt :
    Der Maserati bekommt zwei Elektromotoren mit je 71PS und 163NM Drehmoment und hat somit 142PS bei 326NM Drehmoment.
    Später in der Sendung wird der Elektroumbau bzw. das Material preislich mit 15700€ veranschlagt. Für den Mini würde ja ein Motor (71Ps)
    und ein Regler reichen, also 7250€ für Motor, Regler und Akku. Natürlich wären zwei Motoren besser :wink:
    Es wird sehr schön die Funktion eines drehstrom Asynchronmotors erklärt, da man bei nem Bürstenmotor alle paartausend Kilometer die Bürsten
    wechseln müßte.
    Hier der Link
    https://www.dmax.de/programme/…i-biturbo/DCB412680016100
    Ich denke, es ist gut das Getriebe drin zu lassen um in der Stadt an der Ampel im niedrigen Gang schönen Vortrieb zu haben.


    Greetings

  • Das ist ja alles schön und gut, aber wie sieht es mit dem TÜV aus? Mini Karosse auf think Fahrgestell oder Vollabnahme?Über der 10 Jahres-Grenze sind wir beim Mini ja weit drüber. Übrigens gibt es in USA einige KIT Anbieter welche auf spezielle Marken Elektrokits anbieten. Im englischen Forum wurden bereits zwei US Umbauten vorgestellt. Aber auch nicht gerade für den kleinen Geldbeutel.

  • Tüv sollte das kleinste Problem sein, Honda bekommt man ja auch eingetragen also warum keinen E-Motor?


    Ich könnte mir einen E-Kombi/Van gut vorstellen weil Limousinen sind einfach unpraktisch. Allerdings müsste die Ladefläche frei bleiben, da ist halt die frage wäre genug Platz für Akkus? Evtl. Hinterachsrahmen / Reserverradmulde ändern und Akku anstatt Rücksitz? Naja egal erstmal.


    Viel wichtiger ist das Schelle mehr erzählt. Ist das Original Getriebe drunter oder wie hast du das alles gelöst? Lad mal bitte paar Bilder vom Umbau hoch und erzähl bissl was über Reichweite, Leistung, problemchen usw.

  • Es gibt ja auf Basis des Moke eine Elektroversion aus Frankreich ("nosMOKE"), da könnte man sich ja durchaus mal den schon (zumindest laut Webseite) existierenden Lösungsansatz anschauen…

  • Ich kenn die als emk6, sollten damals 22 000 kosten und laufen nur 85 Km/h mit einer reichweite von 75km, das ist nicht so ganz das überzeugende konzept.


    Leider hab ich bisher keine Bilder der Umsetzung gesehen, weiß nichtmal ob die den Mini-Rahmen nutzen.

  • Ooops, ganz schön was los hier, Ich will mal versuchen alles zu beantworten:
    Der Hamburger Mini auf dem IMM gehört dem Sven. Der hat mich gleich nach dem er aus England zurück war mal besucht, und ist natürlich auch mal mit meinem Mini gefahren. Er war recht beeindruckt von der Beschleunigung, und das obwohl ich das Mini-Getriebe nicht mehr drin habe; oder vielleicht gerade deswegen: wir wissen ja alle wie sauschwer das Ding ist. Svens Mini hat das Getriebe noch drin, er hat einen E-Motor drüber mit einem Zahnriemen als Primänantrieb.
    Ein E-Motor braucht kein Getriebe, es sei denn man will jedes 1/4-Meile-Rennen gewinnen UND mit hoher Endgeschwindigkeit durch die Gegend rasen (ein Tesla braucht noch nicht mal dafür eins). Zumindest ich vermisse kein Schaltgetriebe.
    Wie schon gesagt habe ich einen Th!nk-Antrieb drin, das heißt Motor/Untersetzung/Differential. Die inneren Gleichlaufgelenke habe ich aus den verzahnten Naben des Originals und denen des Minis zusammengeschweißt. Hab' drauf geachtet dass die genau da im Rahmen sitzen wie vorher. Damit sind die Antriebswellen schon wieder unveränderte Mini-Originalteile.
    Mein Motor ist übrigens aus dem Ur-Think (A299) der 90er Jahre (wird in dem Bericht erwähnt), der Antrieb den man kurz sieht ist schon der spätere (A306). Toller Bericht übrigens, kannte ich noch gar nicht. Der Antrieb ist von Siemens (auch der Regler), der gilt als sehr robust, die späteren nicht mehr so. Eingetragen sind 27kW, als Dauerleistung steht irgendwo in den Unterlagen 17kW. Aber das ist bei einem Antrieb mit Regler ohnehin nicht so genau zu sagen, der Motor gibt die Leistung ab die er vom Regler eben bekommt, und der kann schon einiges mehr. Beide sind wassergekühlt, da muss ich keine Angst haben das etwas überhitzt. Ein wassergekühlter Motor baut übrigens richtig schön klein gegenüber den Lutgekühlten!
    Der Regler hat eine CAN-Schnittstelle, und mit etwas Probieren hat en guter Freund einen Adapter (eigentlich nur ein Pegelwandler) zur seriellen Schnittstelle meines 486er (!) Notebooks gebaut, und ich kann jetzt alle Regelparameter frei einstellen. Das ist schön, man kann allerdings auch einiges falsch machen. Ich zumindest.
    Der Th!nk (13"-Räder) war seinerzeit bei 85km/h abgeregelt, damit fuhr der Mini dann mit seinen 10"-Rädchen gerade mal ca. 75km/h. Jetzt lässt der Regler den Motor bis 10.000 1/min drehen, das sind 105km/h. Das reicht mir eigentlich, ich war damit auch schon beim Mini-Treffen auf der Loreley. Der Motor soll auch mal 12.000 1/min vertragen, das probiere ich vielleicht nächstes Jahr mal aus.
    Die Batterien sind 18650er Zellen, bekannt aus Laptops und E-Zigaretten, etwa 1.500 Stück. Eine Hälfte davon ist unter Fahrer- und Beifahrersitz, die andere Hälfte in der (verbreiterten) Batteriemulde hinten im Kofferraum, zusammen wiegen die 90kg. Rechnerisch 16kWh, ich komme damit an die 120km weit. Genau kann ich das noch gar nicht sagen, weil ich habe immer noch kein BMS und damit auch keine funktionierende "Tankuhr". Das soll mein Winterprojekt werden.
    Ja und natürlich sehe ich es auch das so ein Umbau eigentlich am besten zu einem VAN passt, deshalb wartet auch schon eine solche Karosserie ganz sehnsüchtig darauf dass #2 fertig wird, und #3 an den Start geht. Ich auch. Aber das gibt erst viel später was.
    TÜV war jetzt nicht sooo das Problem, weil ich ja alle maßgeblichen Komponenten aus einem in D zugelassenen Auto verbaut habe (hatte eine Kopie der Zulassungsbescheinigung dabei), und natürlich weil ich mit meinem Wohnort Siegen in dieser Hinsicht einen "Standortvorteil" genieße, auch was die technische Unterstützung in allen Mini-Fragen angeht.
    Es gibt inzwischen mehrere Umbausätze für unsere klassischen Minis, manche preislich auch nicht übertrieben teuer, finde ich. Überhaupt kann man sagen dass alle benötigten Teile immer kleiner, leistungsähiger und günstiger werden. Vor allem kann man schon eine Menge gebraucht bekommen.
    Hier noch ein paar Fotos, bis denne.
    MfG
    Schelle

  • Fein, fein, 105 find ich noch etwas wenig, 115 -125 wäre angenehm. Macht Wassergekühlt nicht auch mehr sinn wegen ner Heizung? Oder wird das Wasser im Winter nicht heiß genug?


    Na das Schalten vermisst man sicher nicht, aber könnte mir vorstellen das der "verbrauch" besser ist wenn der Motor auf der Autobahn nicht so hoch drehen muss, natürlich gibts dann bestimmt 1000 bessere alternativen als das Mini Getriebe. Die Akkupacks sind ja nett, die würden sich auch in einem Van/Estate wunderbar verstecken lassen.

  • Man kann auch davon ausgehen, daß im Winter die Reichweite geringer ist, da bei zunehmender Kälte die Akkus an Energie verlieren.

  • Das Wasser hatte ich den ganzen Sommer über in den Innenraum zum originalen Heizwärmetauscher geleitet, da kam nur an ganz heißen Tagen bei längerer Fahrt ein nennenswert warmes Lüftchen raus. Jetzt kommt da gar nichts Warmes mehr, also hab' ich den Wärmetauscher rausgetan und dafür ein elektrisches Heizregister eingesetzt. Hab' jetzt also eine elektrische Heizung mit ca. 1.500W drin. Keine Sauna, aber es wird spürbar warm, oder besser gesagt: weniger kalt.
    Im Sommer kommt da ein Mopedkühler oder so was rein, ich will ja damit aufs IMM. Und ich werde noch eine heizbare Frontscheibe einbauen.
    E-Motoren haben sicherlich auch einen Bereich wo der Wirkungsgrad besser ist; bei meinem kenne ich diese Werte nicht, also ist das mit dem Bertrieb im Idealdrehzahlbereich nicht zu machen. Eine etwas längere Übersetzung hätte ich aber schon gerne, nur müsste ich hierfür einige Zahnräder neu machen (lassen), das geht bestimmt ins Geld. Wenn jemand hier eine Firma weiß die so was macht, immer her damit, Anfragen kostet ja nichts. Alleine ich hätte schon 3 Getriebe zum Umbauen, und ich kenne da noch ein...zwei Kandidaten. Vielleicht bekäme ich auf diesem Weg ja auch das etwas nervige Pfeifen aus dem Getriebe weg. (In einem Verbrenner hört das ja keiner.)
    Batterien haben bei Kälte weniger Kapazität, das ist richtig. Schlimmer ist dass man da auch weniger Strom raus- und insbesondere reinpacken darf. Unter 0°C sollte man gar nicht laden. Ich suche daher auch schon nach einer flachen Heizmatte (-platte) die mit ca. 150V zu betreiben geht. Auch hier bin ich für jeden Tip dankbar.
    Ja, die Batterien werde ich auf jeden Fall wieder möglichst flach halten, so bekommt man sie wirklich überall schön weggepackt. Ob es nochmal die gleichen werden weiß ich allerdings nicht. Die jetzigen sind bisher einfach super, aber wer weiß schon wie weit und schnell der Fortschritt noch geht? Von dem Leistungsgewicht und Preis meines Akkupacks hätte ich vor 3...4 Jahren jedenfalls nur träumen können. Bleibt also spannend.
    MfG
    Schelle

  • Sehr schönes Projekt. :smile:


    Der Motor hat ja bereits selber ein Reduktionsgetriebe. Vermutlich ca. 1:10.
    Das heisst, hier einfach ein anderes Getriebe mit z.B. 1:8 finden oder ein Zusatzgetriebe anflanschen, falls der Platz es hergibt. Da es vermutlich ein Standard-Asynchronmotor ist, sollte ein entsprechendes Getriebe auffindbar sein. Allerdings leidet hier natürlich die Beschleunigung.


    Da der Elektroantrieb nahezu 100% seines Strombedarfs in Antriebsleistung umsetzt, wird die Kühlung nur für den Notfall notwendig sein, wenn der Motor ständig viel Last abbekommt. z.B. lange Bergfahrten.
    Also ist damit eine Heizung eher nicht umsetzbar.


    Thema Winter: Hierzu kann man eine Akkuheizung einbauen. Was Tesla ja m.W. hat.

  • Danke.
    Ganz Standard ist die Asynchronmaschine nicht, hat eine Hohlwelle mit Innenverzahnung. Ein anderes Getriebe müsste ja auch ein Differential haben. Und auch noch ähnlich kompakt sein wie das derzeitige. Eher finde ich eine andere Motor-Getriebekombination, und dann muss der Regler vermutlich auch raus. Will ich ganz und gar nicht. Fährt schließlich super gut. Auf 20% Beschleunigung könnte ich locker verzichten.

  • Die einfachste Möglichkeit für höhere Endgeschwindigkeiten bzw. geringere Motordrehzahl sind einfach größere Rad-Reifenkombis.
    Beispielsweise hat ein 145R13 einen um ca. 15% größeren Abrollumfang als ein 145R10.
    Diese Reifengröße ist auf diversen Kleinwagen der 90er-Jahre zu finden und damit sehr gängig.


    Musst halt kucken, ob das in dein Konzept passt. Bei entsprechend schmalen Felgen mit möglichst großer ET sollten die Reifen ausreichend freigängig sein.
    Kritisch ist speziell wenn das Rad bei Einlenken hinter der Frontmaske verschwinden soll und natürlich hinten der Karosseriefalz.

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