Unrunder Lauf, Kaltstart, Vergaser '89

  • Hallo zusammen,


    dies ist mein erster Post. Ich besitze zwar grundlegendes technisches Verständnis, verfüge jedoch über keine nennenswerte Schrauber-Expertise. Daher bereits vorab: Bitte um Entschuldigung ;-).


    Als kleiner Junge bekam ich von meinem Patenonkel, passend zum “Straßenteppich“ im Kinderzimmer, mein erstes Matchbox-Auto geschenkt - einen Mini in british racing green.


    Etwa 20 Jahre später war schließlich die Uni geschafft, das Arbeitsleben ging los, die ersten eigenen Gehälter wurden diszipliniert gespart, sodass ich mir endlich den Kindheitstraum von meinem eigenen Mini erfüllen konnte.


    Coops war vorher im Besitz eines Bekannten meines Vaters und begleitet mich nun seit etwa 3 Jahren.

    Baujahr 1989, 1000er Vergaser, H-Zulassung, technisch: gut, optisch: naja, aber keine Bastelbude. Aus british racing green wurde uni-schwarz - egal, ich war verliebt.


    Etwa 1 1/2 Jahre später gingen dann die Probleme los. Ich hatte weiter gespart und wollte Coops eine kleine Schönheitskur verpassen:

    - Zusatzscheinwerfer und runde Außenspiegel kamen neu

    - beide Sitze, Türtafeln und Rückbank gingen zum Sattler, dazu schwarzes Leder für Schaltsack und Handbremse

    - Armaturenbrett, Dachhimmel, Sonnenblenden, sämtliche Teppiche, Gurte inkl. Schnallen, Lenkverkleidung, Blink- & Wischerhebel sowie Hutablage wurden schwarz

    - Das Wurzelholz vom neuen Mountney-Lenkrad wurde fürs neue Armaturenbrett, Türöffner, -griffe und Fensterkurbeln, Schaltknauf und Handbremsgriff übernommen

    - Bluetooth-Radio im Retro-Chromlook, 2 Speaker in der Hutablage, 3 Zusatzinstrumente von Smith ins Dashboard

    kurz gesagt.. einmal alles


    Nach ein paar Monaten bei einem befreundeten Schrauber konnte ich Coops endlich abholen. Auf dem Heimweg stand ich schließlich an einer roten Ampel in einem großen Kreisverkehr. Der Vordermann hatte scheinbar seine Ausfahrt verpasst und statt eine Runde im Kreisel zu drehen entschied er sich für den Rückwärtsgang - übersah mich und Coops dahinter und donnerte uns rückwärts fahrend in die Front.

    10.000 EUR Schaden glücklicherweise anstandslos übernommen, 5 Monate Reparaturdauer, Richtbank, Volllackierung, das komplette Programm.

    Die Reparatur wurde gut ausgeführt, 1-2 Elektrik- und Lichtprobleme im Zuge der Kabelbaumreparatur - nicht der Rede wert.

    Coops ging es wieder gut und war endlich wieder mein treuer Begleiter.


    Nun endlich zur eigentlichen Thematik:

    Vor etwa 2-3 Monaten wurden wir auf der Autobahn von heftigen Niederschlägen überrascht. Er fing an zu rappeln und zu „sägen“, gefühlt hatten sich 1-2 Zylinder verabschiedet. Ich konnte mich gerade noch zur nächsten Ausfahrt retten. Motor aus, startete auch nicht mehr und wurde dann am Seil nach Hause geschleppt.

    Erster Verdacht: Nach dem Unfall fehlte der Spritzschutz, Feuchtigkeit in der Zündanlage.

    3-4 Tage in der trockenen Garage und er sprang einwandfrei wieder an.

    Habe mir dann einen Spritzschutz gebastelt sowie Verteiler und Zündkabel getauscht.

    Soweit alles bestens.


    Vor etwa 2-3 Wochen ereignete sich dann erstmalig folgendes Szenario:

    Kaltstart, Choke gezogen, springt an und läuft rund. Nach ca. 1-2km, etwa zum Zeitpunkt wo er zwar noch nicht warm ist aber den Choke nicht mehr benötigt, beginnt er zu ruckeln und läuft unrund.

    Bei Standgas ist es noch halbwegs okay. Je mehr Gas ich jedoch gebe, umso intensiver wird es. Zudem dreht er im Leerlauf nicht komplett hoch. Ich habe zwar keinen Drehzahlmesser verbaut, gefühlt ist es wie ein Begrenzer bei etwa 3 - 4.000rpm inkl. unrundem Lauf.

    Beim Anfahren und Beschleunigen entsteht teilweise kaum Vortrieb. - Je höher der Gang, desto stärker tritt es auf.

    Bsp.: Bei Tempo 50 kann ich bei Vollgas im dritten Gang noch leicht beschleunigen, im vierten Gang ist nicht einmal die Geschwindigkeit zu halten.


    Nun das Kuriose:

    Während der weiteren Fahrt beginnen sämtliche Sympthome damit, schleichend und schrittweise wieder zu verschwinden. Nach vielleicht 15 Minuten schnurrt er schließlich wieder so, als wäre er gerade vom Band gerollt.


    Wenn ich ihn abstelle und nach max. 60 Minuten mit Restwärme ohne Choke wieder starte, habe ich keine Probleme.

    Wenn ich ihn nach einer Kurzstrecke, sprich ohne besagte Sympthome vorher vollends „herausgefahren“ zu haben abstelle, treten besagte Probleme bei der nächsten Fahrt auch schon gleich ab Start sowie vergleichsweise stärker auf.


    Könnte ggf. ein Zylinder / eine Kerze erst absaufen und danach Step by Step wieder zu leben beginnen, sofern bspw. der Warmlauf zu fett wäre?


    Ich hoffe, die Beschreibung ist halbwegs präzise und verständlich.


    Vorab bereits vielen Dank, ich freue mich auf eure Antworten!


    Beste Grüße,

    Julian & Coops

  • Herzlich Willkommen Julian und Coops :thumbs_up:

    Hast mal Kerzenbild überprüft weil du es angesprochen hast?


    Mögliche Ursachen die mir einfallen: Zündspule, Unterbrecherkontakt,Verteilerkappe. Diese drei könnten vom voraus gegangenen"Wasserschaden" was abbekommen haben. Zündkabel ? Dämpferöl im Vergaser kontrollieren.

  • Hallo phokos,

    vielen Dank!


    Zündverteiler inkl. Kappe und Zündkabel wurden nach dem „Wasserschaden“ getauscht, Zündspule und Kerzen damals auch geprüft.


    Die Kerzen könnte ich nochmals anschauen. Wie/wo würde ich das Dämpferöl genau kontrollieren können?


    LG

  • An der Vergaserglocke oben, ist ein schwarzer Plastikdeckel auf geschraubt. Diesen abschrauben und da reinschauen. Ca. 1,5cm unterhalb des oberen Randes ist eine kleine Stufe zu erkennen. Bis zu dieser Stufe sollte das Öl stehen. Zuviel nachfüllen macht auch keine Probleme, wird beim Motorlauf eh weg gesaugt. Öl kannst von deinem Motoröl nehmen.


    P.S.: Netter Lebenslauf oben :cool: :thumbs_up:

  • Hallo Julian und herzlich Willkommen.


    Sofern das Schwimmernadelventil im Vergaser noch nicht getauscht wurde, wäre das für mich ein möglicher Verursacher.

    Dieses Bauteil unterliegt einem gewissen Verschleiß und wenn das Ventil temporär nicht zuverlässig arbeitet, säuft der Motor wegen zu fettem Gemisch ab. Ist es undicht und die Drehzahl steigt, werden die Probleme noch stärker, die Leistung bleibt aus.

    Teilenummer WZX1100A und die Händlerliste sind dein Freund :wink:

    Natürlich wäre eine komplette Inspektion, incl. Luftfilterwechsel, Ölwechsel, Abschmieren etc jetzt im Frühjahr keine schlechte Idee

    Viel Erfolg und lass uns mitleben.

    gruss andy
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    Mini, you only get what you make of it!!!
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    Erfahrung lässt sich nicht "downloaden"!!!!!!!
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    "Der Gebildete treibt die Genauigkeit nicht weiter, als es der Natur der Sache entspricht" Aristoteles

  • ...und, fülle doch bitte dein Profil vollständig aus, eventuell ist ja jemand in deiner Nähe ansässig, der dir bissl zur Seite steht :wink:

    gruss andy
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  • Woher kommst du? Vill gibts in der Nähe einen erfahrenen Schrauber der mal mit dir drüber schaut.

    Auf Erfahrung vertrauen




  • Coops94

    Ja, ein absaufender Vergaser durch ein nicht korrekt schließendes Nadelventil könnte diesen zähen Lauf erklären und auch, daß es nicht sofort eintritt --Motor ist kalt und benötigt fetteres Gemisch--

    Was nicht stimmig klingt, ist daß sich der Motorlauf wieder 'erholt', denn der eher noch wärmer werdende Motor müßte immer schlechter mit dem Überfetten klarkommen können.

    Auch daß er mit Restwärme noch gut anspringt und in gutem Motorlauf weiter betrieben werden kann 'paßt' nicht. Eine Kontrolle ist aber lohnend.


    Was bei Lesen aufstößt :'Verteiler wurde getauscht'.

    Was für ein Verteiler, welcher Herkunft und Laufleistung wurde denn montiert ?

    Und warum wurde er überhaupt montiert, denn ein abgesoffener Verteiler ist ja grundgetrocknet wieder fit.

    Ist es zudem die gleiche Spezifiktation ? (Erhabene 5-stellige Nummer auf dem Gehäuse eingegossen)


    Und weitere wichtige Frage : 'Verstellen die Fliehkraftgewichte komplett und ohne zu haken ?

    Alte Kfz-Elektrikbetriebe haben eine mechanische Verteilerprüfbank, auf welcher die Verstellkurve abgefahren werden kann.


    Andreas Hohls P.S.: Vielleicht verbessert es das Symptom schon --Fliegewichte sitzen mit ihren Federn unterhalb der Verteilergrundplatte-- dort etwas Kriechöl / Rostlöser hin zu sprühen.

    Alle Beiträge verstehen sich als rein sachliche Aussage und tolerieren Meinungen und Vorlieben eines Jeden, auch wenn sie konträr entgegenstünden.

  • Hallo ihr Lieben,


    erst einmal vielen Dank für den vielen und schnellen Input!

    Ich bin diese Woche noch auf Geschäftsreise und werde an Wochenende mal anfangen mich Step by Step durch eure Lösungsansätze zu arbeiten.


    Neben der Kappe hatte ich den Verteiler gegen einen identischen einfach vorsorglich getauscht. Die neue Kappe saß auf dem alten Verteiler gefühlt „nicht wirklich dicht“ und mein Bekannter hatte noch einen identischen herumfliegen.


    Ich wohne in Düsseldorf. Wenn jemand Zeit und Lust hat, wäre das natürlich klasse!


    Ansonsten würde ich in der Reihenfolge: Dämpferöl prüfen/nachfüllen, Kerzenbild prüfen, Verteilerfedern prüfen + etwas Feinmechaniköl dran

    vorgehen und bei ausbleibender Besserung mich mit dem Nadelventil befassen.


    Ich halte euch gerne auf dem Laufenden!


    Beste Grüße und vielen Dank euch phokos , Madblack , biz , Meister-Mini & Andreas Hohls

  • PS: Während der Probleme riecht es recht ordentlich nach Sprit.

    Ggf. ist dies noch als Info hilfreich.

  • Fang mit dem Nadelventil an :wink:

    gruss andy
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